So. Nun sollte die Weihnachtsfaulheit langsam vorbei sein und es wird zeit mal wieder was zu bloggen oder das ganze für immer aufzugeben.
Da ich grad nichts besseres zu tun hab und wach bleiben sollte werde ich die Zeit nutzen um nochmal auf meine Videospiel Liste zurückzukommen. Als ich das Blog gemacht habe hatte ich ja hauptsächlich reviews von Anime, Videospielen , Büchern & ähnlichem im Blick gehabt, aber dazu hab ich bisher eigentlich keinen Eintrag.
Deshalb möchte ich nunmal über die Nummer 1 in meiner Liste sprechen, das Spiel das ich als bestes Rollenspiel das ich bisher gespielt habe sehe. Was meine Liste betrifft… mit solchen Sachen bin ich im nachhinein ziemlich schnell wieder recht unzufrieden, also Sachen einordnen und abzuwägen welches ich besser und am besten finde. Das ändert sich meistens, und viele Dinge mag ich auch aus gänzlich verschiedenen Gründen, so das sie vergleichen eigentlich sinnlos ist.
Wo ich mir aber sicher bin ist das Xenogears derzeit immer noch mein absolutes Lieblings JRPG ist.
Erstmal ein paar details zum eigentlichen Spiel: Xenogears kam 1998 in Japan und 8 Monate später in Nordamerika für die Playstation raus, ein europäisches release gab es nie. Das heißt, man braucht schonmal eine gemoddete Playstation als Europäer damit man das NTSC spiel spielen kann.
Das erklärt auch schonmal die obskurität.
Der Grund weshalb ich dieses Spiel so mag ist eindeutig die Handlung. Es ist schwer darüber zu schreiben ohne das Spiel groß zu spoilern, aber kurz gesagt quellt das Spiel nur so über vor überraschenden Plottwists die die Gesamte bisherige Situation schlagartig umkehren, oder zumindest in ein ganz neues Licht rücken. Dabei stößt man immer tiefer in weitrechende Verschwörungen vor, und erforscht auch die psychen der Charaktere, die meistens nicht so sind wie es scheint.
Es ist relativ offensichtlich das sich das Spiel dabei sehr stark von Neon Genesis Evangelion inspirieren lassen hat, das in Japan ca. 2 Jahre zuvor herauskam. Von daher befasst es sich stark mit gleichen Themen und Ideen, dabei vor allem psychoanalystische Theorien von Carl Gustav Jung, Nietzsche und in großem Maße christlich-religiösen symbolismus und anspielungen, außerdem Biowaffen, genetische Experimente und Social Engineering.
Dabei ist es nicht ganz so tiefgängig wie NGE in seiner auseinandersetzung mit den hauptcharakteren, dafür zieht es seinen religiösen symbolismus jedoch weit konsequenter durch, bzw. befasst sich tatsächlich mit Religion.
Außerdem ist es eines der wenigen RPGs mit haushochen mechas.
Abgesehen von der Thematik und dem übergreifenden hauptplot sind auch die seitenplots bzw die hintergründe der charaktere sehr interessant und packend gemacht, und man hat weniger das gefühl das einem andere (durchaus gute) spiele wie zbsp Final Fantasy 7 geben, das man von Heimatstadt zu Heimatstadt reißt und von jedem Chara seine flashbacks presentiert kriegt, schon der Reihe nach.
Die Charaktere sind auch alle sehr charmant und nicht zu simpel, haben aber doch ihre typischen Stereotypen, zumindest auf den ersten Blick. Fei Fong Wong, der Hauptcharakter hat zbsp die typische Amnesie, ist aber zumindest kein schweigsamer einsamer Wolf, und über seine wahren Hintergründe, ebenso wie die von Elly dem weiblichen Hauptchara und Citan einem Doktor aus Fei’s Dorf kann man eigentlich nicht viel sagen ohne zu Spoilern. Der Pirat Bart auf seinem Sandschiff stellt sich auch als etwas anderes heraus als man ihn kennenlernt. Dann gibt es noch einem muskulösen Halbmenschen, einen Pistolenschwingenden Priester der Sekte die die Technologie und Mechas kontrolliert, ein kleines Mädchen mit einer innigen mentalen Beziehung zu einem Mecha und die künstliche Lebensform Emeralda.
Lediglich das nervige pelzwesen Chu-Chu ist ein reiner witzcharakter, der in einer sehr dämlichen szene mal zur größe eines Mechas anwächst. Ich weiß nicht, das Vieh regt mich etwas auf, Cait Sith der ja eigentlich nur von einem armen Nerd aus dem Shinra hauptquartier gesteuert wird fand ich da weit sympathischer und leichter erntszunehmen.
Was die Musik angeht haben sich hier noch die guten alten Square-Leute ausgetobt, ausnahmsweise mal nicht von Composer Nobuo Uematsu angeleitet, der auch die meiste Musik der Final Fantasy serie schrieb. Stattdessen übernahm hier Yasunori Mitsuda die Führung, der auch die Musik von Chrono Trigger schrieb. Hierbei hat er sich auf starke keltische motife bezogen und die in seine Musik eingebaut. Der soundtrack ist damit unglaublich packend.
Grafisch kann man sowas schwer beurteilen heutzutage. Ich persönlich würde sagen das es für die damalige Zeit sehr beindruckend war. Die Umgebung stellt sich in 3D-renderung dar, ließ auch die Kamera frei schwenken, während die Charaktere und NPCs noch handgezeichnete Sprites benutzten. Genau andersherum wie bei Final Fantasy. Trotzdem lässt einen das ganze heute ziemlich kalt, und die pixelige Umgebung lässt einen vielleicht sogar zusammenzucken.Ich fands ziemlich stylish.
Was auch ein Manko ist ist für mich das Mechadesign: Es ist zwar nicht direkt schlecht, basiert aber eher auf klassischem, älterem Stil. Die Mechas hier sehen sehr nach GUNDAM und ähnlichen alten serien mit Super-robotern aus. Lediglich Emeralda’s Mech ist ziemlich cool. Und leider ist der Mech der weiblichen Hauptcharakterin Elly PINK ._.
Von daher eher Retro-style. Da hätten sie sich von NGE auch noch was abschauen können.
Das Kampfsystem ist auch wieder etwas wo Xenogears im Vergleich zu seinen Konkurrenten die Nase vorn hatte. Statt langweiligem endlos A drücken (bzw die Equivalente Taste auf der PSX, ich denke O ) da die man ja sowieso MP spart und nur normal angreift, gibts hier mal abwechslung in jedem kampf.
Die Charaktere haben eine gewisse Anzahl von Action Points (AP) pro Runde, und können diese in jeder Runde auf leichte, normale und schwere Angriffe verteilen, die eben 1, 2 oder 3 AP kosten. Oder man kann sich die AP für die nächste Runde aufsparen.
Diese Angriffe kann man dann, ähnlich einem fighting-spiel, bei seinem Angriff aneinanderhängen, und kann damit später auch abhängig vom charakter sehr viele verschiedene combos freischalten, oder auch sogenannte Elemental-Deathblows. Außerdem gibts auch noch Magie.
Als ob das noch nicht genug abwechslung wäre gibt es die Kämpfe nicht nur auf dem normalen Personen-größen-level sondern eben auch mit den Mechas im Kampf gegen riesige Monstren oder feindliche Mechas. Dabei wird beim Kampfsystem das Element der AP durch den Treibstoff ersetzt, auf den jeder Mech zu achten hat. Dabei kann man noch seinen Attacken level anhaben, damit wieder combos möglich sind. Andere Spezialoptionen abhängig vom mech und das verwenden von Magie sind ebenfalls möglich, genau wie der versuch seinen Treibstoff während des kampfes aufzuladen.
Das gibt den Kämpfen weit mehr taktische Tiefe. Zusätzlich zu Story, Setting und Erzählstil ist das einer der Hauptgründe wieso ich Xenogears dem allgemein gekürten genre-könig Final Fantasy 7 vorziehe.
Oh zusätzlich zu den typischen Rüstungen und Waffen kann man natürlich auch Upgrades für alle Teile der Mechs im spiel kaufen.
Leider hat das Spiel noch einen größeren Nachteil: Nach Ende der ersten CD ändert sich der Erzählstil relativ stark. Statt weiterhin seine party zu kontrollieren und direkt von platz zu platz zu reisen wie in herkömmlichen RPGs, wird die Interaktivität stark eingeschränkt.
Stattdessen besteht es nahezu nur aus Cutszenen in Spielgrafik, Anime-Sequenzen und teilweise auch reiner Text der die Handlung weitererzählt. Es wird zwar immer mal wieder unterbrochen von Bossfights, aber richtiges umherreisen und dungeons finden sich auf CD2 kaum noch.
Andererseits ist man zu dem Zeitpunkt von der Story schon derartig gefesselt dass es kaum noch eine Rolle spielt.
Fazit: Xenogears wird zu 90% von seiner Story und seiner Erzählweise getragen, die wiederum hauptsächlich auf sich langsam aufdeckenden Verschwörungen, tiefverborgenen auch psychologischen Geheimnissen der Charaktere und religiös angehauchter Science Fiction beruht. Hauptsächlich wird der Spieler davon bewegt die Fragen zu beantworten die sich im Plot auftun, deren Beantwortung nur immer weitere Fragen aufwirft. Auch die diversen Antagonisten sind sehr fesselnd und interessant, haben vielschichtige Hintergründe und eigene verständliche Motivationen, sie sind nicht bloß mittel zum Zweck. Einige davon, der feindliche general Ramses zum beispiel, sind sogar recht tragische Gestalten.
Eventuell werde ich irgendwann auch eine genauere Analyse des Plots und der vielen Anspielungen und Symbole darin posten, aber bis dahin bin ich still und verrate nicht zu viel.